Saal Digital Testbericht: Fotobuch Professional Line

Im Januar hatte ich die Möglichkeit, mal wieder Saal Digital zu testen. Das heißt: ich bekam einen Gutschein, mit dem ich ein solches Fotobuch erstellen und bestellen konnte. Alle, die als Amateure, Semi-Professionelle oder professionell fotografieren – ich glaube, das ist kein Geheimnis, treffen früher oder später auf die Saal Digital Druck-Produkte. Für mich ist es auf jeden Fall die erste Anlaufstelle, wenn ich etwas drucken lassen will. Was mich aber nicht davon abhalten wird, kleinlich zu sein bei der Bewertung. Also, worum geht es?

 

Professional Line Fotobuch

Saal Digital wirbt mit einem Produkt aus dem Fotobuch-Bereich, dass sich direkt an profesionell(er)e Fotografen wendet. Mit Schlagworten wie ‚Handarbeit‘, Bezüge aus ‚echtem Leder‘ und ‚individueller Covergestaltung‘  sowie einer Auswahl verschiedener Oberflächen der Innenseiten wird deutlich vermittelt: das hier ist High End. Hält es, was es verspricht?

 

Das Projekt

Ich hatte schon länger vor, meine Schottland-Fotos endlich in einer Art Portfolio-Buch zusammen zu bringen und dieses Fotobuch war die perfekte Antwort darauf. Vor allem die Covergestaltung mit Acryl hatte es mir angetan. Die Werbebilder wirken hochwertig und seriös und ich konnte mir das Ganze schon richtig gut vorstellen.

 

Daten und Fakten

Format: 30 cm x 21 cm (Querformat)
Seiten: 40 (20 Doppelseiten inkl. Umschlagseiten)
Cover / Umschlag: Acryl und Leder
Cover-Oberfläche: Leder schwarz
Innenseiten-Oberfläche: HighEnd-Druck matt

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Auswahl und Gestaltung

Grundsätzlich hat man die Wahl, die Software zu benutzen, oder mithilfe von entsprechend vorgegebenen Daten selbst eine Datei für den Druck anzulegen. Da ich ja teste, habe ich mich für die Software entschieden. Zwischenzeitlich war ich kurz davor, doch auf InDesign zu wechseln, weil gegenüber einem guten Layout-Programm die Möglichkeiten natürlich deutlich eingeschränkter sind und ich finde, bei der Bedienungsfreundlichkeit gibt es noch einiges an Verbesserungspotenzial. Der Vorteil ist aber, dass ich das Buch nicht nur inhaltlich gestalten kann, sondern die Materialauswahl direkt immer vor Augen habe. Was mich dabei stört: ich bekomme zu wenig Information über die jeweiligen Möglichkeiten. Innerhalb der Software kann ich dann mal in etwas größerem Maßstab sehen, was ‚Holzoptik‘ meint, aber ich finde das sehr dürftig. Ich würde gerne wissen, was für ein Material es ist (Holz? Kunststoff mit Holzoptik? Etwas ganz anderes?) und auch vielleicht mal ein Beispielfoto und auch Details im Foto wären nicht schlecht. Schon alleine deshalb bin ich bei klassischem schwarzem Leder geblieben. Dabei habe ich mich gefragt, warum es in der heutigen Zeit keine veganen Alternativen gibt? Ein Leinen-Einband wäre zwar möglich gewesen, aber eben nicht in Verbindung mit dem Acryl-Cover. Es gibt wirklich schöne vegane Lederimitate, die diesem Buch auch toll stehen würden und dann auch gleich die wachsende Zahl von bewussten Vegetariern als Zielgruppe erschließen würde. Ich stelle mir vor, dass ein Fotograf zum Beispiel eine Hochzeit begleitet und das Paar von ihm ein solches Buch zur Erinnerung bekommen. Wenn dieses Paar vegan ist und darauf Wert legt, kann er damit entweder ins Fettnäpfchen treten – oder aber mit einem veganen Angebot für sich selbst und für Saal Digital eine ‚Überraschungsqualität‘ erzielen, was für alle von Vorteil wäre.

Im Übrigen hätte ich auch gerne mehr über die Papiersorten erfahren. Was ich gerade gar nicht weiß: bietet Saal Digital eigentlich seinen Kunden Papiermuster an? Bei einer anderen Druckerei, mit der ich viel für Flyer etc. arbeite, habe ich kostenlos ein Ringbuch mit allen Papiersorten bekommen, so dass ich auch mithilfe haptischer Eindrucke entscheiden kann, welches Material ich möchte. Ich habe mich letztlich für dem matten High-End-Druck entschieden. Ausschlaggebend war für mich die Angabe, dass darauf keine Fingerabdrücke zurück bleiben. Was im übrigen stimmt, so viel kann ich schon mal vorweg nehmen.

Es bleiben also für in diesem Bereich vier Punkte, die es zu verbessern gäbe:

  • Benutzerfreundlichkeit verbessern
  • Information über die Materialien ggf. mit Foto-Material verbessern
  • Angebot dahin gehend verbessern, dass Werte wie Tierschutz, Nachhaltigkeit etc. erfüllt werden
  •  Papiermuster

 

Erster Eindruck

Oje, oje, oje, war das erst mal ein Schlag in die Magengrube, als das Paket ankam. Bei mir kam es an einem Samstag und so hatte ich den ersten miesen Eindruck etwas länger als nötig gewesen wäre. Denn beim Auspacken war das Cover alles andere als ansehnlich. Als erster fiel mir ein fetter Kratzer ins Auge und auch das Acryl wirkte sehr matt und unansehnlich auf mich. Mein erster Gedanke: da ist eine Folie drüber! Aber so sehr ich auch knibbelte und suchte, ich fand keine Möglichkeit eine vermeintliche Folie abzulösen, und ich wollte auch nichts zusätzlich zerkratzen… Ich musste mich also wohl damit abfinden, dass das nicht das Ergebnis war, das ich erwartet hatte. Nach einem Telefonat, bei dem ich eigentlich reklamieren wollte, stellte sich heraus, es war wirklich eine Folie und als ich mit etwas Mut den fetten Kratzer bearbeitete, konnte ich sie auch lösen. Ich erzähle das deshalb, weil es absolut keinen Hinweis gab und die Folie so gut mit dem Acryl verbunden ist, dass man anfangs wirklich glauben kann, wie es mir geschehen ist, dass das Cover weit hinter den Erwartungen zurück bleibt. Ein Aufkleber oder eine Lasche zum Abziehen wären hier sinnvoll.

Und dann ein krasser Fehler, für meine Begriffe: teilweise wurden Bilder schräg gedruckt. Ich habe sie nicht rotiert, also denke ich, dass es ein Druckfehler ist:

 

Auch nicht soooo schön gelungen ist sind die Umschlagseiten innen. Hier würde ich mir wünschen, dass bei all dem Aufwand, der für dieses Fotobuch betrieben wird, eine Möglichkeit gefunden wird, die Innenseiten glatt zu gestalten. Ich bin mir sicher, dass das machbar ist.

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Zweiter Eindruck

Ganz ehrlich? Ich liebe dieses Buch abgöttisch. Ich habe mir extra etwas länger Zeit gegeben, eine Bewertung abgegeben, weil ich schauen wollte, welcher Eindruck bleibt. Und in erster Linie bleibt der Eindruck der Freude. Der Druck ist super, gestochen scharf, das matte Papier lässt vor allem die vielen Details zur Geltung kommen, welche die Edinburgh-Fotos auszeichnen. Ich zeige das Buch sehr gerne her und es hat einen Ehrenplatz bei mir und wird richtig gehend ‚ausgestellt‘. Das Acryl-Cover ist ein echtes Schmuckstück.

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Leider muss ich meine Hauptkritik wiederholen. Bei meinem letzten Saal-Digital-Test habe ich moniert, dass der Druck zu dunkel geworden ist. Es sind zwar wirklich nur Nuancen, aber der Druck hätte für mich einen Ticken heller sein müssen. Das verwundert mich ein wenig, da ich alle Fotos anhand des Histogramms extra für diesen Druck vorbereitet habe. Ich kann jetzt nicht genau sagen, ob es vielleicht an der automatischen Bildverbesserung liegt, die ich aktiviert habe, weil mir nach meinem letzten Bericht von Saal Digital mitgeteilt wurde, dass diese genau dem Problem, dass Bilder im Druck zu dunkel werden, vorbeugen könnte. Dann kann es natürlich sein, dass die automatische Bildverbesserung die Werte etwas herunter reguliert hat und den Bildern damit ein bisschen von der Brillianz genommen hat. Im Gegensatz dazu sind die sehr kontrastreichen Bilder im Buch sehr gut gelungen. Und bei denen hatte ich Sorge, es etwas übertrieben zu haben.
All das fällt vor allem mir auf, wenn ich die Bilder bearbeite und dann den Druck in den Händen halte. Alle, die das Buch durchgeschaut haben, sind einfach nur begeistert. Für mich bleibt ein minimaler Grauschleier. Ich bin aber auch sehr perfektionistisch.

Nicht sonderlich aufgeführt, aber ein wichtiges und sehr schönes Detail, ist im Übrigen, dass das Buch sich flach aufklappt. Die Falz könnte sauberer gestaltet sein, aber irgendwas finde ich ja immer…

Hier noch ein paar Detail-Eindrücke im Bild:

 

Fazit und Preis-Leistung

Insgesamt finde ich das Buch also toll, auch mit den Kritikpunkten. Eine Bewertung läge bei 4,5 von 5 Sternen.

Ganz subjektiv – also ohne, dass ich die Kalkulation kenne, und auch einfach mal, indem ich mein eigenes kaufmännisches Wissen und die Tatsache, dass ich grundsätzlich der Meinung bin, dass man für gute Qualität auch bereit sein sollte, gut zu zahlen, vernachlässige: mir wäre der Preis zu hoch. Ich habe mal herum gefragt, was die Leute, die das Buch durchgeschaut haben, denken, was es kosten solle. Alle waren in dem Bereich, in dem ich mich auch bewege: 60 Euro. Das Buch hat stolze 100 Euro inkl. Versand gekostet. Und das war auch das, was ich als Gutschein zur Verfügung hatte. Das Buch wird auf der Homepage mit einer Geschenkbox beworben. Diese hätte mich  noch mal zusätzlich 40 Euro gekostet. Das ist schon ein ordentlicher Preis, den ich vermutlich nicht bereit gewesen wäre zu bezahlen, wenn ich den Gutschein nicht bekommen hätte. Das Format (40cm x 30cm), das ich am liebsten getestet hätte, war von vornherein ausgeschlossen, da es mit 26 Seiten (13 Doppelseiten) bei 130 Euro (ohne Box) gerade mal anfängt. Wer einen wirklich guten Fotografen für seine Hochzeit beauftragt, den wird dieser Betrag vermutlich nicht mehr schrecken, aber außerhalb solcher sehr besonderen Ereignisse kann ich mir vorstellen, dass viele Kunden diese Preise nicht einsehen.

Unabhängig davon bin ich sehr glücklich mit dem Produkt und ich denke, so wird es auch anderen Kunden gehen.

 

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